Beim Einkaufen die Welt verbessern?
Wie dies möglich ist zeigten 100 Filmemacher beim Kurzfilmwettbewerb für den Fairen Handel. Deutschlandweit hatte das Forum Fairer Handel zu dem online-basierten Filmcontest REC A<FAIR aufgerufen. Gesucht wurden Video-Clips, die auf unterhaltsame und pointierte Art über Ungerechtigkeiten im Weltmarkt aufklären und die alternative Idee des Fairen Handels auf Videoplattformen im Internet verbreiten. Unter allen Einsendungen wurden die fünf besten Kurzfilme von einer Fachjury ausgezeichnet.
1.Preis: Klare Botschaft überzeugt die Jury
„Du hast es in der Hand!“ So lautet die klare die Botschaft des Gewinner-Spots, der die globalen Folgen unserer täglichen Kaufentscheidungen auf humoristische und zugleich unmissverständliche Weise deutlich macht. Regisseur Kai Uwe Lipphardt greift darin eine Alltagssituation auf, die jedem Betrachter vertraut ist – den Einkauf im Supermarkt. Der täglichen Wahl zwischen verschiedenen Produkten fügt er eine neue Entscheidungsebene hinzu: deren Entstehungsgeschichte. Dadurch schafft es der Film zu irritieren und gleichzeitig ein Bewusstsein für die Macht der Verbraucher herzustellen. „Es sagt einem ja keiner, was hinter den Produkten wirklich steckt“, erklärt Lipphardt die Idee. „Was wäre, wenn man die typische Werbedurchsage im Supermarkt mal zur ‚Stimme der Wahrheit‘ macht?“ Die dadurch erreichte Transparenz verunsichert den Käufer im Film zunächst und lässt schließlich auch für den Betrachter nur eine Entscheidungsoption offen: Produkte mit belasteter Geschichte bleiben im Regal, zugunsten von Produkten aus Fairem Handel. Diese gekonnt verpackte Aufforderung zu fairem Konsum hat die Jury überzeugt und wurde mit einem Preisgeld von 10.000 Euro belohnt.
2.-5. Preis: Revolutionäre Teebeutel, kinderleichte Logik,
Fairtrade Bier und ein nackter Mann
Der 2. Preis geht an eine Berliner Produktion, wie an der gewählten nächtlichen Szenerie vor einem typischen Berliner „Späti“ (Spätkauf) unschwer zu erkennen ist. „Mit ungehobeltem Charme und pointiert inszeniert bietet der Film „Lieber Spät(i) als nie“ einen gleichermaßen amüsanten wie provokanten Diskussionsbeitrag.“, heißt es in der Jurybegründung.
Dem Argument, dass fair gehandelte Produkte teurer und demzufolge weniger erschwinglich für kleinere Geldbeutel seien, wird vom bierseligen Protagonisten ein klares Bekenntnis zu Solidarität entgegengesetzt. Dass es Regisseur Marcus Francke gelingt, diese Botschaft mit einem Augenzwinkern zu vermitteln und gleichzeitig zum Nachdenken anzuregen, macht die besondere Qualität des Films aus.
Das „Fair Trade Kinderleicht“ ist, wird auf charmante und witzige Weise im gleichnamigen Film erklärt, den die Jury mit dem 3. Preis honorierte. Nach altbekannter „Dingsda“-Manier erklären Schüler der GutsMuths Grundschule auf kindliche und dabei beeindruckend intelligente Art die Prinzipen des Fairen Handels. In Zusammenarbeit mit Regisseur Hagen Döcke hatte die Grundschullehrerin zuvor das Thema Fairer Handel im Unterricht vorbereitet, denn das Motto der Schule lautet: „Fair geht vor!“
Die Entstehungsgeschichte des viertplatzierten Films „I wear only sweat“ erklärt Regisseurin Manon Heugel: „Nachdem ich vor einiger Zeit das Buch No logo von Naomi Klein gelesen hatte, das einen Blick hinter die Kulissen der Sweatshopindustrie wirft, schmiss ich kurzerhand alle meine Klamotten weg, die von Firmen hergestellt wurden, die Kinder ausbeuten. Es fiel mir auf, dass ich nun fast keine Kleidung mehr hatte.“ So entstand für den Film die Geschichte eines Sportlers, der wegen seines Engagements für ethischen Handel nackt durch die Straßen läuft. Dass der Spot die gleichen Codes benutzt, mit denen sich auch die Sportartikel-Konzerne erfolgreich vermarkten, zeigt, dass es mehr braucht als große Markenlogos um „einzigartig“, und „selbstbewusst“ zu sein: klare ethische Prinzipien.
Mit dem 5. Preis prämierte die Jury einen Stop-Motion-Film, in dem Teebeutel ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Mit Slogans wie „Fairer Lohn“ und „Zukunft unserer Kinder“, machen sie auf die Kernforderungen des Fairen Handels aufmerksam und beweisen nach erfolgreicher „Teevolution“ – so der Titel des Films –, dass sie nicht nur demonstrieren, sondern auch anpacken können: Sie investieren die Erträge aus Fairem Handel in ihre selbstverwaltete Teepäckchen-Community. Chrisina Voigts liebevoll gemachter Beitrag präsentiert die Nutzen des Fairen Handels, wobei die ungewöhnliche Perspektive und die humorvolle Umsetzung die Aussage im Gedächtnis bleiben lassen.
Die Preise 2 bis 5 wurden mit jeweils 1.000 Euro honoriert. Ermöglicht wurde der Wettbewerb durch die Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
Das Forum Fairer Handel dankt allen Teilnehmern für das überwältigende Engagement und die vielen kreativen Ideen und Filmbeiträge. Alle Filme verbreiten sich in unterschiedlichste Richtungen im Netz weiter. Sie setzen somit ein klares Zeichen für globale Gerechtigkeit. Durch die Verbreitung der Fair-Handels-Idee helfen sie dabei, ein Bewusstein für die globalen Zusammenhänge zwischen Produktionsbedingungen und Konsumverhalten zu schaffen.


