RECAFAIR
 

DIE GEWINNER

Hier präsentieren wir Euch die Gewinner des Wettbewerbs. Nach eingehender Beratung wählte die Jury aus 116 Einsendungen die fünf besten Filme aus.

Platz 1: Du hast es in der Hand


Regie: Kai Uwe Lipphardt, Martin Murch
Drehbuch: Kai Uwe Lipphardt, Martin Murch
Produktion: Lenscleaner (www.lenscleaner.de)
Kamera: Uli Schuster
Schnitt: Kai Uwe Lipphardt
Musik: Sven Kaiser
Besetzung: Sandro Tajouri, Doreen Nixdorf, Christiane Ostermayer, Wolf Bachofner

Kurzbeschreibung

Ein Typ kauft sich im Supermarkt eine Tafel Schokolade. Genau so wie es jeden Tag tausendfach passiert. Was an diesem Tag anders läuft und warum es mit fair gehandelten Produkten zu tun hat, zeigt dieser Film.

Kai Uwe Lipphardt zur Entstehung des Films

Unsere interne Vorgabe war es, zwei Anforderungen unter einen Hut zu bekommen: Erstens Informationen zum Thema fairer oder unfairer Handel unterzubringen und zweitens trotzdem eine erzählerische Struktur beizubehalten die unterhaltsam bleibt. Irgendwann überlegten wir uns: „Es sagt einem ja keiner, was in und hinter den Produkten wirklich steckt. Was wäre, wenn man die typische Werbedurchsage im Supermarkt mal zur ‚Stimme der Wahrheit‘ macht?“ Außerdem wollten wir trotz des moralisch aufgeladenen Themas eine Geschichte erzählen die humorvoll ist.
Nachdem das Drehbuch geschrieben war, brauchten wir nur noch ein geeignetes Set. Glücklicher Weise fanden wir einen Supermarktleiter der uns mit viel Vertrauen an einem Sonntag seinen Markt überlassen hat. Dank guter Vorbereitung haben wir es dann auch geschafft, alles an einem Tag abzudrehen. Übrigens hat unser Designer, Chrissi Jülich, in den Namen unserer fiktiven Schokoladensorten „Kiberi Ratend“ und „Hafner Ideal“ zwei reale Begriffe versteckt. Eine kleine Aufgabe für Rätselfreunde…

Begründung der Jury

Der Film hat die Jury überzeugt, weil er eine Alltagssituation aufgreift, die jedem Betrachter vertraut ist – ein Einkauf im Supermarkt – und diese gekonnt weiterentwickelt. Der täglichen Wahl zwischen verschiedenen Produkten fügt er eine neue Entscheidungsebene hinzu, die normalerweise nicht verfügbar ist: deren Entstehungsgeschichte. Indem die oft grausamen Hintergründe der Schokoladenproduktion durch die weich-säuselnde Stimme der typischen Werbedurchsage präsentiert wird, schafft es der Film zu irritieren und gleichzeitig ein Bewusstsein für die Macht der Verbraucher herzustellen. Die dadurch erreichte Transparenz verunsichert den Käufer im Film zunächst und lässt letztlich auch für den Betrachter nur eine Entscheidungsoption offen: Produkte mit belasteter Geschichte bleiben im Regal zugunsten von Produkten aus Fairem Handel. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit – wenn man nur mehr wüsste über die Produkte.
So ist der Film auch ein Aufruf an die Verbraucher, sich zu informieren statt sich auf die üblichen Werbebotschaften zu verlassen. Schließlich besticht der Film durch die einfache, aber ungemein wichtige Aussage “Du hast es in der Hand.” Es liegt eben an jedem selbst, welche Produkte gekauft und somit auch hergestellt werden. Mit dieser Botschaft endet der Film und motiviert dazu, beim nächsten Einkauf auf Produkte aus Fairem Handel zu achten.

Platz 2: Lieber Spät(i) als nie!


Regie: Marcus Francke
Drehbuch: Marcus Francke, Jörn Hanicke
Produktion: Marcus Francke (www.b76films.de)
Kamera: Daniel Redel, Ursula Henke
Schnitt: Wolfgang Niederhofer (www.wolfedits.com)
Ton: Magdalena Lepp
Besetzung: Steffen Hahmann, Paula Bezzera-Fialho, Dogan Karaoglan

Kurzbeschreibung

Wenn selbst ER sich die Mühe macht über Fairtrade nachzudenken und ein Fairtradeprodukt zu kaufen müssen es die meisten anderen Menschen auch können!!!!

Marcus Francke zur Entstehung des Films

Unser Ziel war es, einen Weg zu finden, um den Durchschnittsverbraucher mithilfe einer fiktiven Geschichte zum Nachdenken über das eigene Konsumverhalten zu bringen. Dabei wollten wir auf den moralischen Zeigefinger verzichten sollte und unsere Botschaft stattdessen spielerisch rüberbringen. Durch den relativen Aufwand den unser Protagonist in seinem Rahmen betreibt um ein Fairtrade-Produkt zu erwerben, hoffen wir das auch Konsumenten, die in einer weniger prekären Lage sind, in Zukunft ihre Kaufentscheidung gründlicher überdenken.
Über den 2. Preis haben wir uns riesig gefreut. Gefeiert wurde übrigens standesgemäß im Späti auf Einladung von Inhaber Karaoglan, dem Original-Spätibesitzer, der auch im Film mitspielt.

Begründung der Jury

Ein junger Mann, unter Einfluß sozusagen, will beim Spätkauf Nachschub kaufen, ist aber nicht ausreichend liquide. Draußen vorm Laden erhält er eine Spende. Anstatt diese in höherwertigen oder einfach mehr Sprit zu investieren, entscheidet er sich für eine fair gehandelte Variante, wie wir anhand einer Bier-Flasche mit plakativem Fairtrade-Etikett unschwer erkennen können. Die Botschaft ist klar: Die paar Groschen Preisunterschied sollte doch eigentlich jeder auftreiben können.
Mit ungehobeltem Charme und pointiert inszeniert, bietet „Lieber Spät(i) als nie!“ einen gleichermaßen amüsanten wie provokanten Diskussionsbeitrag. Nicht selten lautet das Argument, gegen den Kauf fair gehandelter Produkte, das die Sache zwar grundsätzlich unterstützenswert, aber im Alltag dann doch zu teuer sei. Demgegenüber macht „Lieber Spät(i) als nie“ deutlich, dass es sich hierbei immer um eine Frage der Prioritätensetzung handelt. Dass es dem Film gelingt, dieses Bekenntnis zur Solidarität mit einem Augenzwinkern zu vermitteln und gleichzeitig zum Nachdenken anzuregen, macht seine besondere Qualität aus.

Platz 3: Fairtrade – Kinderleicht


Regie: Hagen Döcke
Drehbuch: Hagen Döcke, Anja Theurich
Produktion: Anja Theurich, Hagen Döcke (www.frohboesefilm.com)
Kamera: Anja Theurich
Schnitt: Hagen Döcke, Anja Theurich
Besetzung: Kinder der GutsMuths Grundschule: Marthe, Berdan, Sarah, Zara, Sila, Ali, Berkin, Robin

Kurzbeschreibung

Kinder der GutsMuths Grundschule erklären, was sie unter “Fairer Handel” verstehen! Vielen Dank an alle Kinder die sich vor die Kamera getraut haben und das Vertrauen Ihrer Eltern, der Schule und Ihrer Klassenlehrerin!

Hagen Döcke zur Entstehung des Films

Witzig und leicht sollte der Clip sein, trotzdem ernst genug um Menschen zu berühren und zu bewegen. Das Alles ohne blutig oder schockierend sein zu müssen, denn mit den Grausamkeiten, welche uns die Nachrichten täglich zeigen, kann und möchte man sich gar nicht mehr messen. Da ich in den letzten Jahren vorwiegend dokumentarisch gearbeitet habe, lag es nahe, das Feld nicht komplett zu verlassen und als Vater einer bezaubernden 3,5 jährigen Tochter ist mir das Kindliche sehr nah… . Wer könnte besser erklären und glaubhafter auf die Dringlichkeit hinweisen, dass wir umdenken müssen, als unsere Kinder. Um dem Zuschauer etwas Vertrautes an die Hand zu geben, entschieden wir uns dazu, das Projekt visuell an die Fernsehsendung Dingsda anzulehnen.
In Frau Pretzsch von der Guts Muths Grundschule fanden wir eine sehr offene und interessierte Lehrerin, die das Projekt gern unterstützt hat. Da das Motto der Schule ist “Fair geht vor!” ist, hatten viele Kinder bereits eine Ahnung davon, worum es geht. Frau Pretzsch baute das Thema “Fairer Handel” spielerisch in den Unterricht ein und bereitete die Schüler so auf die jeweils 15 minütigen Interviews vor. In einem freien Klassenzimmer führten wir die Interviews mit den Kindern. Je nach Wissensstand, Lust und Konzentrationsfähigkeit der jungen Menschen tasteten wir uns durch die verschiedenen Facetten von Fairem Handel. Es hat unglaublichen Spaß gemacht mit diesen extrem schlauen Kindern einen Film zu machen und wir möchten uns auch hier noch einmal bei ihnen allen bedanken!!!

Begründung der Jury

Man nehme eine Gruppe Grundschulkinder und lasse diese den Fairen Handel erklären. Heraus kommt ein sympathisch-amüsanter Kurzfilm, der auf kindliche Weise und in bestechender Einfachheit die Grundprinzipien des Fairen Handels erklärt. Dass dabei eine große inhaltliche Bandbreite des Fairen Handels und nicht nur einer seiner Teilaspekte angesprochen wird, zeigt, dass sich die Kinder unmittelbar mit den Prinzipien des Fairen Handels beschäftigt haben. Damit war die Entstehung des Films selbst eine im Sinne der Sache vollgezogene Aufklärungsarbeit im schulischen Kontext und überzeugt daher durch Authentizität.
Die Anlehnung an das 90er Jahre Unterhaltungsformat „Dingsda“ erweist sich als ausgesprochen produktive Nutzung einer bekannten und überaus beliebten Größe, die sinnvoll und gelungen zitiert wird. „Fairtrade – Kinderleicht“ ist ein rundum gelungener Film über den Fairen Handel, welcher informiert, ohne den moralischen Zeigefinger zu erheben, dabei lustig ist, ohne dass die Inhalte ins Lächerliche gezogen werden.

Platz 4: I wear only sweat


Regie: Manon Heugel
Drehbuch: Manon Heugel
Produktion: Oliver Moser
Kamera: Jonas Brandau
Schnitt: Jonas Brandau
Besetzung: Leonie Rimtragoon, Anton Rimtragoon, Sebastian Matthias Kolinski, Philipp Ungeheuer (Stimme)

Kurzbeschreibung

Ein Sportler entschließt sich lieber nackt zu laufen, als in Sportkleidung, die in Sweatshops von Kinderhänden produziert wird.
Der Beitrag wurde für REC A<FAIR gleichzeitig in deutscher und englischer Sprache produziert und eingereicht. Zur deutschen Fassung geht’s hier: www.youtube.com/watch?v=MKVJ0GbSAKA

Manon Heugel zur Entstehung des Films

Nachdem ich vor einiger Zeit das Buch „No logo“ von Naomi Klein gelesen hatte, das einen Blick hinter die Kulissen der Sweatshopsindustrie wirft, schmiss ich kurzerhand alle meine Klamotten weg, die von Firmen hergestellt wurden, die Kinder ausbeuten. Es fiel mir auf, dass ich nun fast keine Kleidung mehr hatte. So ist die Idee des Sportlers entstanden, der wegen seines Engagements für ethischen Handel nackt durch die Straßen läuft.
Die globale Sportbekleidungsindustrie verwendet bestechende, emotionsbeladene Bilder, um Produkte zu verkaufen, die unter unmenschlichen Bedingungen hergestellt werden. In diesem Werbekrieg wollte ich den Fairen Handel genau so verführerisch und modern inszenieren. In meinem Spot habe ich die gleichen visuellen Codes benutzt, mit denen sich auch die Sportartikel-Konzerne erfolgreich vermarkten. Auf diese Weise möchte ich den Konsumenten davon überzeugen, dass er auch hip bleiben wird, wenn er sich für gerechten Handel engagiert.

Begründung der Jury

Speziell in der Textilindustrie werden Produktionsstätten bevorzugt in Entwicklungsländer verlagert um die Gewinnspanne der Produkte zu erhöhen. Dort stellen Menschen unter unwürdigen Arbeitsbedingungen und für Billiglöhne Waren her, die als Marken unseren westlichen Wohlstand labeln. Sogenannte „Sweatshops“ sind der Inbegriff ausbeuterischer Arbeitsbedingungen. Nicht selten klebt auch der Schweiß von Kindern an den dort produzierten Textilien.
Mit unserer Kleidung tragen wir unsere Persönlichkeit nach außen. „I wear only sweat“ zeigt, dass sich diese Binsenweisheit der Modebranche auch jenseits von Styles und Trends auf eine ethische Ebene übertragen lässt. Der Film wirft die Frage auf, was unsere Kleidung eigentlich über unser moralisches Bewusstsein als Verbraucher aussagt? Dabei besticht er durch seine geradezu poetische Unschärfe- und Detailästhetik, aber auch durch die pointierte Message: „I wear only sweat – but at least its mine“ ist ein Bekenntnis zur Individualität, die sich nicht über Mode definiert, sondern in ihrer puren Nacktheit authentisch erscheint. Der Film trägt ganz deutlich die Energie in sich, die der Faire Handel braucht: Er ist hochästhetisch, emotional aufgeladen und orginell visualisiert. Ein Spot, der eine eindeutige Sprache spricht und verstanden wird.

Platz 5: Teevolution


Regie: Christina Voigt
Drehbuch: Christina Voigt
Produktion: Christina Voigt (www.christinavoigt.com)
Kamera: Christina Voigt
Schnitt: Christina Voigt
Besetzung: die Teebeutel
Musik: Fontaine Burnett

Kurzbeschreibung:

Teevolution – der Tee geht auf die Barrikaden: für gerechten Lohn, die Zukunft der Kinder, Bildung und fairen Handel.

Christina Voigt zur Entstehung des Films

Ich arbeite eigentlich vor allem als Dokumentarfilmerin und beschäftige mich mit den Themen Armut, Entwicklungszusammenarbeit und Gewalt(entstehung). Bei meinem Filmbeitrag war mir wichtig, dass ich dem Thema des Fairen Handels und den Ungerechtigkeiten des Weltmarktes etwas humorvolles entgegensetze. Ich habe mich in anderen Filmen intensiv mit dem Leid anderer beschäftigt und genau dieses Leid wollte ich für diesen Kurzfilm nicht direkt zeigen. Ich hatte das Gefühl, dass wir das sowieso schon täglich sehen und einen das einfach überfordert. Man fühlt sich schuldig und wird oft gelähmt in seinen Handlungen. Ich wollte aber zum Handeln motivieren! So entschied ich mich für die Geschichte der Teebeutel, die von ihrem Leben in einer Teepackung berichten und uns zeigen, dass wir die Zustände in denen wir leben nicht einfach hinnehmen müssen. Für mich sind die Teebeutel sympathische Vermittler zwischen den Welten. Wir benutzen sie jeden Tag, als würden sie einfach so an den Bäumen wachsen. Dabei steckt hinter jedem Teebeutel ein langer Wachstums-, Ernte- und Verarbeitungsprozess.
Das Bauen des Trickfilm-Modells dauerte eine Woche. Die Umsetzung der Trickanimation an sich dauerte ca. 5 Tage. Allein für die letzte Szene, wo die Teebeutel die Häuser anmalen, brauchte ich 7 Stunden. Die Musik komponierte und arrangierte Fontaine Burnett. Fontaine verstand es die Musik so umzusetzen, dass sie quasi die Sprache der Teebeutel ist. So hat man am Ende eine Sprache ohne eindeutige Dialoge, kann aber die Stimmung und Forderungen der Teebeutel »verstehen«.

Begründung der Jury

Anders als bei der Boston Tee Party, die im 18. Jahrhundert die Amerikanische Revolution eingeleitet hat, nehmen in „Teevolution“ die Aufgußbeutel ihr Schicksal selbst in die Hand. Mit Transparenten auf denen Losungen wie “Fairer Lohn” und “Zukunft unserer Kinder” zu lesen sind, machen sie auf die Kernforderungen des Fairen Handels aufmerksam. Im Epilog können die Teebeutel beweisen, dass sie nicht nur demonstrieren, sondern auch anpacken können: Sie investieren die Erträge aus Fairem Handel in ihre selbstverwaltete Teepäckchen-Community.
Chrisina Voigts liebevoll gemachter Trickfilm präsentiert in aller Kürze und Klarheit die Nutzen von Fairem Handel. Die ungewöhnliche Perspektive des Teebeutels und die humorvolle Umsetzung lassen die Aussage im Gedächtnis bleiben und regen dazu an, den Film und die zugrundeliegen Botschaft weiterzuverbreiten.